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Vom heidnischen Brauch zum Spitzensport –
die Geschichte einer Nationalsportart

Das Hornussen ist eine Urschweizer Sportart welche im Spiel einen bedächtigen und doch auch dynamischen Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung fordert und Mannschafts- sowie Einzelsport gleichzeitig ist. Ausserdem vereint eine Mannschaft oftmals mehrere Generationen.

Einfache Regeln sowie einen vergleichsweisen tiefen Kostenaufwand für den Einzelnen, sowie der bereits erwähnte Mix zwischen Mannschafts- und Einzelsport machen diese Sportart für alle Altersgruppen attraktiv.

Der Begriff „Hornussen“ geht auf den Schweizer Wortstamm „Hornen“ oder „Hurnen“ zurück, das ist nämlich das Geräusch, welches der Nouss macht, wenn er im Ries in Hörweite kommt, er brummt oder eben hornt.

Die Geschichte des Hornussens geht auf einen heidnischen Brauch zurück, bei welchem brennende Holzscheite vom Berg ins Tal geschlagen wurden um Geister zu vertreiben. Dieser Brauch erreichte die Täler und so entstand ein Spiel, welches in seiner heutigen Form immer noch ein Spiel geblieben ist. Ein Kampfsport ohne direkten Körperkontakt und ohne direkte Aggression und trotzdem immer mit dem Ziel, den Gegner zu besiegen.

Die erste schriftliche Existenzbestätigung des Hornussens stammt aus dem Jahr 1625. In diesem Jahr wird dieser Traditionssport im Chorgerichtsprotokoll von Lauperswil vermerk, da einige Landwirte aus der Gemeinde das Hornussen während der Predigt ausgeübt hatten. Auch in der darauffolgenden Zeit wurden bei den zuständigen Landvögten immer wieder Beschwerden von Seiten der Pfarrer eingereicht, diese gründeten darauf, dass die Spiele am Sonntag stattfanden und damit die das Gebot des heiligen Sonntags verletzt wurde, sowie auf die Schlägereien und dem enormen Alkoholkonsums. 1689 erhielten dann die Landvögte folgende Weisung von der Berner Regierung: „Obgleich das Hornussschlagen an sich selbst eine unschuldige Leibesübung seye, sie minder Ergernuss als die andern Spil oder Kurtzweil nach sich zücht, so wollend doch Ihr Gnaden, damit er Gottesdienst nicht versaumet noch entheiligt werde, dasselbe während dem Gottesdienst genzlich verspottet haben.“ (Obrigkeit des Kantons Bern 1689 aus 50 Jahre EHV). Somit war die Gottesdienstpflicht wieder hergestellt und die Männer des Emmentals konnten trotzdem noch ihrem Spiel frönen.

Als im 19. Und 20. Jahrhundert viele junge Emmentaler ihre Heimat verliessen, verbreitete sich auch das Hornussen in der Schweiz, erst als eine Art Therapie gegen das Heimweh, dann als Sport, als sich auch Nicht-Emmentaler dem Hornussen zuwandten. In der Deutschschweiz gewann das Hornussen somit an Anerkennung und Popularität und setzte sich vor allem auch im Mittelland durch.

Trotz dieser Verbreitung blieb das Zentrum immer noch das Emmental, so dass am 30. Juni 1902 im Schützenhaus in Burgdorf, zunächst als Unterverband des Eidgenössischen Schwinger Verbands, der Eidgenössische Hornusserverband gegründet wurde. Er regelt seit damals die Spielreglemente und organisiert die Meisterschaft der NLA, NLB und den fünf weiteren Ligen und die Unterverbands- und interkantonalen Feste. Bei der Gründung des Verbandes umfasste er 24 Gesellschaften (Vereine) mit 600 Mitgliedern.

Heute ist das Hornussen zu einem Spitzensport avanciert. Der Eidgenössische Hornusserverband zählt nicht weniger als 131 Gesellschaften, wovon 107 im Kanton Bern ansässig sind (Stand August 2017).